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| Jemen nach Mittag |
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Der Bauch ist voll und die Gedanken hängen noch beim
herrlich würzig-scharfen Mittagessen. Glücklich und zufrieden schlendere
ich über die scheinbar menschenleere Hauptstraße von Manakha, einem
Bergdorf im nördlichen Jemen. Plötzlich spüre ich eine Hand auf
meiner Schulter, die mich abrupt aus meinen Träumen und von der Straße
reißt. Erschrocken drehe ich mich um und schaue in das Gesicht eines besorgten
Jemeniten. "Do not walking on street at afternoon in Yemen. They kill you!".
Blankes Entsetzen. Attentate, Entführungen, Selbstmordkommandos - alle möglichen
Horrorszenarien schießen mir gleichzeitig durch den Kopf. Sekundenbruchteile
später rauscht ein Auto vorbei, vollgestopft mit gröhlenden Männern.
Kriegerisch und aggresiv wirken sie allerdings nicht gerade. Eher total .....
besoffen. Aber - Jemen, Islam, Alkohol - irgend etwas stimmt da doch nicht. Mein
Retter klärt mich auf: "After lunch they eat khat. Then they are happy.
And then they drive."
Dicke
Backen, das Erkennungsmerkmal jedes Khat-Kauers, sind im Jemen sehr verbreitet.
Vor allem nachmittags. Denn dann ist es Zeit für Khat. Mindestens eine handvoll
Khat-Blätter passen in eine gut trainierte jemenitische Backe. Zwar gibt
es auch Khat-kauende Frauen, eigentlich ist das aber schon Männersache. Außerdem
kann es sich bei Angaben zu den weiblichen Khat-Konsumenten lediglich um Dunkelziffern
handeln. Nicht nur als Tourist bekommt man im Jemen eher selten weibliche Backen
zu Gesicht - geschweige denn Khat-gefüllte.
Haben die jungen grünen Blätter des in den Bergen angebauten Khatstrauchs
den Weg in eine Backe gefunden, bringt das darin enthaltene Cathinon seinen Kauer
ordentlich in Fahrt. Cathinon, der Hauptwirkstoff von Kath, erhöht sowohl
den Puls als auch den Blutdruck und wirkt zudem stimulierend auf die Psyche. Euphorie,
Hyperaktivität und Rededrang zum Beispiel sind typische Folgen des Khat-Konsums.
Siesta fällt somit aus im Jemen. Während Khat seine Konsumenten in Fahrt
bringt, wird es von Wirtschaftsexperten als große Bremse gesehen. Mit der
Backe voller Khat sinkt die Lust nach Arbeit praktisch auf Null. Zudem schluckt
der Khat-Anbau rund die Hälfte des im Jemen verbrauchten Wassers.
Khat hat jedoch nicht nur eine dröhnende sondern auch eine soziale Komponente.
Jemeniten treffen sich gerne mit Freunden und Bekannten zum gemütlichen Khat-Kauen,
ähnlich wie man sich hierzulande auf einen Wein oder ein Bier zusammen setzt.
Doch während einen Alkohol im Bedarfsfall ziemlich schnell ins Delirium befördern
kann, sind Khat-Exzesse und Vergiftungen äußerst selten. Denn Khat
entfaltet seine Wirkung erst so richtig nach ausgiebigem mehrstündigen Kauen.
Wer vergleichsweise lange und intensiv an der Wein- oder Bierflasche hängt,
wird eher unter dem Tisch zusammensacken als den Weg zu seinem Auto finden. Auch
führt das Kauen von Khat kaum zu körperlicher Abhängigkeit. Häufig
aber zu psychischer - vor allem in ärmeren Regionen, und davon gibt es im
Jemen viele.
Das einmalige Testkauen einiger weniger Blätter bewirkt höchstens ein
leicht beschwipstes Gefühl. Unerfreuliche Nebenwirkungen, wie eine übermäßig
gut arbeitende Verdauung, sind die Ausnahme. Eines sollte man jedoch unbedingt
bedenken - sonst könnte Khat fatale Folgen haben: Do not walking on street
at afternoon in yemen.
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